07. September 2016

Konjunkturbarometer steigt – Baubetriebe im Land haben gut zu tun

Bauverband warnt vor weiterem Verfall von Brücken im Südwesten


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Stuttgart. Die Geschäfte der Bauunternehmen in Baden-Württemberg liefen in diesem Jahr bislang besser als erhofft, entsprechend zufrieden zeigt sich die Bauwirtschaft. Mit einem Umsatzplus von 8,7 % wurden die Erwartungen der Branche für das erste Halbjahr 2016 sogar deutlich übertroffen. Insgesamt betrug das Umsatzvolumen im Bauhauptgewerbe bis Ende Juni 6,23 Mrd. Euro. Besonders stark zugelegt hat mit +10,8 % der Wohnungsbau. Hier lag der Umsatz bei 2,46 Mrd. Euro. Gleichzeitig sind die Baugenehmigungen für neue Wohnungen in der ersten Jahreshälfte sprunghaft nach oben geschnellt. Von Januar bis Juni 2016 wurden laut Statistischem Landesamt 21.953 Wohneinheiten zum Bau freigegeben, eine Steigerung um 35 %. Dies ist der höchste Zuwachs seit 1999. Der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Bernhard Sänger, sieht als Grund für die kräftige Nachfrage einerseits die niedrigen Zinsen, da institutionelle wie auch private Anleger kaum Alternativen auf dem Kapitalmarkt finden. Hinter dem ungewöhnlich starken Anstieg der Baugenehmigungen vermutet er aber auch einen Vorzieheffekt wegen der neuen Energieeinsparverordnung 2016. „Viele ohnehin Bauwillige wollten damit ganz offenbar die verschärften Vorschriften der aktuellen EnEV umgehen und haben deshalb noch Ende 2015 ihre Anträge eingereicht, die nun bewilligt wurden. Wann dann tatsächlich Baubeginn ist, bleibt abzuwarten.“

Erfreulich sind die Mehrausgaben im Öffentlichen Bau. Hier gab es im 1. Halbjahr ebenfalls ein Plus um 10,8 %, wobei der Straßenbausektor um 12,5 % zulegte. Auch der Wirtschaftsbau in Baden-Württemberg hat sich nach einer gewissen Schwächephase stabilisiert und einen Umsatz von rund 2,16 Mrd. Euro erzielt. Als ausgesprochen erfreulich bewertet der Baupräsident den kräftigen Zuwachs bei den Auftragseingängen. Sie kletterten von Januar bis Juni 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 17,6 % auf rund 4,62 Mrd. Euro, was auf eine gute baukonjunkturelle Entwicklung für die nächsten Monate hoffen lässt. Sollte es zu keinem ungewöhnlich frühen Wintereinbruch kommen, prognostiziert Bernhard Sänger der Baubranche im Südwesten daher für das Gesamtjahr 2016 ein starkes Umsatzplus von 6 bis 7 %.

Sorge bereitet der Bauwirtschaft der nach wie vor schlechte Zustand zahlreicher Brücken im Land. Immer öfter bröckelt Beton, korrodieren Stahlträger oder bekommen Fahrbahnen Risse. Von den insgesamt ca. 9.200 Brückenbauwerken im Zuge von Landes- und Bundesfernstraßen in Baden-Württemberg liegen 3.160 an Landesstraßen und damit in der Baulast des Landes. Hiervon sind 40 % in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sie dringend saniert werden müssten. Hauptursache für den raschen Verfall ist der stark gestiegene Schwerlastverkehr, für den die im Schnitt 45 Jahre alten Brücken gar nicht konzipiert waren – weder in puncto Verkehrsaufkommen noch in Sachen Tragfähigkeit. Manche der für heutige Verhältnisse zu filigran gebauten Brückenbauwerke sind in einem derart schlechten Zustand, dass nur noch Geschwindigkeits- und Gewichtsbeschränkungen als Notlösung weiterhelfen. Für schwere LKWs, die die Brücken gar nicht mehr befahren dürfen, bedeutet das oft kilometerweite Umwege.

Sowohl vom Bund als auch vom Land wird die Brückenproblematik seit Jahren als absolut dringlich erkannt, dennoch zieht die Landesregierung nicht die notwendigen Konsequenzen. Der Bund hat immerhin vor kurzem mehr Mittel für die Sanierung von Autobahnen und Bundesstraßen angekündigt, was auch die dortigen Brücken einschließt. Das Land hingegen hält sich mit der Finanzierung auffallend zurück. Diese Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit stößt bei Verbandspräsident Bernhard Sänger auf Unverständnis: „Wir fordern die Landesregierung auf, nicht nur vom Bund mehr Geld einzufordern, sondern selbst ausreichend Mittel zu investieren, um die Brücken in ihrer Verantwortung vor weiterem Verfall zu bewahren.“ Vor drei Jahren, so Sänger, sollten noch 60 Mio. Euro für die Ertüchtigung und den Erhalt der Brücken an Landesstraßen bereitgestellt werden. Zwischenzeitlich sei nur noch von 30 Mio. Euro die Rede. „Das passt angesichts des unverändert schlechten Zustands dieser Bauwerke nicht zusammen. Hier wird definitiv an der falschen Stelle gespart und deshalb tickt in den Brücken unseres Landes eine echte Zeitbombe!“