24. Oktober 2016

Jobstudien zeigen: Baufachleute sind zufrieden mit ihrer Berufswahl

Gesamtzahl der Bauauszubildenden im Verband nahezu konstant


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Stuttgart. Die Gesamtzahl der Auszubildenden in den überbetrieblichen Ausbildungszentren der Bauwirtschaft Baden-Württemberg ist in diesem Jahr mit 2.696 Lehrlingen (-0,1%) im Vergleich zu 2015 nahezu konstant geblieben. Allerdings scheint die rückläufige demografische Entwicklung inzwischen auch in der Baubranche angekommen zu sein. Während der Verband für das dritte Ausbildungsjahr ein Lehrlingsplus von 6 % verzeichnet, haben in diesem Herbst 6,9 % weniger Jugendliche einen Ausbildungsvertrag in einem Bauunternehmen unterschrieben als noch vor zwölf Monaten. Etliche Lehrstellen blieben auch deshalb unbesetzt, weil viele Ausbildungsbetriebe keine passenden Bewerber gefunden haben.

Der Fachkräftemangel ist derzeit das größte Problem in der Bauwirtschaft. Während die Auftragsbücher voll sind, suchen die Unternehmen händeringend nach qualifiziertem Personal. Gleichzeitig gibt es vor allem im gewerblichen Bereich eine starke Überalterung in den Firmen. Allein in den kommenden zehn Jahren werden bundesweit ca. 80.000 der Beschäftigten in den Ruhestand gehen, doch nur die Hälfte der Plätze kann mit jungen Nachwuchskräften neu besetzt werden. Dieter Diener, Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Bauverbandes, sieht darin aber auch eine enorme Chance für interessierte Haupt- und Realschulabsolventen und verweist zugleich auf die guten Aufstiegsmöglichkeiten in der Bauwirtschaft: „Jeder Jugendliche, der einen Ausbildungsplatz bei uns möchte, wird auch einen bekommen. Vorausgesetzt, er hat einen einigermaßen ordentlichen Schulabschluss. Wir von Verbandsseite her unterstützen unsere Bauunternehmen bei ihrer Lehrlingssuche natürlich nach Kräften – angefangen von berufsvorbereitenden Fördermaßnahmen bis hin zur landesweiten Nachwuchskampagne.“

Eine weitere Ursache für das eher verhaltene Interesse in Sachen Bauausbildung ist sicher auch die Diskrepanz zwischen Vorurteilen und Realität. Mehrere Jobstudien* haben nämlich ergeben, dass die Arbeitssituation auf dem Bau deutlich besser ist als deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. So gehen nur 29 % der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren davon aus, dass ihnen die Bauwirtschaft interessante und vielfältige berufliche Möglichkeiten bietet. Die Wirklichkeit dagegen zeigt ein deutlich positiveres Bild: Laut Umfrageergebnisse sind 63 % der Mitarbeiter am Bau mit ihrer Arbeit zufrieden. Damit stehen die Baubeschäftigten in der Zufriedenheitsskala an erster Stelle, noch vor der Automobilindustrie (56 %) und dem Maschinen- und Anlagebau (53 %).

Auch hinsichtlich der Bezahlung braucht sich die Baubranche nicht zu verstecken: Danach sind 44 % der befragten Beschäftigten mit ihrer Entlohnung zufrieden, immerhin Platz drei nach der Automobilindustrie (50 %) und dem Banken- und Versicherungswesen (45 %). Dieter Diener verweist darauf, dass die Vergütung bei den Baulehrlingen überdurchschnittlich hoch ist. Ein Auszubildender im dritten Lehrjahr verdient monatlich immerhin 1.400,- Euro brutto. Auch in Bezug auf weiche Faktoren wie etwa Attraktivität der Arbeit, Kollegialität, Arbeitsplatzsicherheit oder Eigenverantwortung schneidet die Bauwirtschaft gut ab. Fazit der Jobstudien: Eigentlich müssten sich viel mehr Jugendliche für eine Ausbildung in der Baubranche entscheiden. Um diese Vorteile noch stärker in der Öffentlichkeit zu kommunizieren, hat die Bauwirtschaft Baden-Württemberg deshalb bereits vor vier Jahren eine groß angelegte Nachwuchskampagne im Land gestartet, mit der unter dem Slogan BAU – DEIN DING aktiv an Schulen und auf Berufsmessen um junge Nachwuchskräfte geworben wird.

 

(* u.a. Ausbildungsstudie 2015 Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von McDonalds / Ernest & Young Jobstudie 2015 / Studie Personalwerk GmbH im Auftrag der SOKA-Bau)