25. November 2016

BIM AWARD 2016 für herausragende Lösungen verliehen

Bauwirtschaft fordert bundesweit einheitliche Standards für BIM


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Stuttgart. Erstmals wurde gestern vor 150 geladenen Gästen im Fraunhofer Institut Stuttgart der neu ausgelobte BIM AWARD 2016 verliehen. Mit diesem AWARD zeichnete das BIM CLUSTER Stuttgart insgesamt vier Preisträger aus Wirtschaft, Planung und Forschung für herausragende und innovative Lösungen in der Anwendung der BIM-Methodik aus. Einer der ausgezeichneten Preisträger ist die Bauunternehmung Matthäus Schmid GmbH aus Baltringen, ein Mitgliedsbetrieb der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Abkürzung BIM steht für Building Information Modeling und ist ein neuartiges Instrument, das vor allem im Hinblick auf die oft unzureichende Kooperation der am Bau Beteiligten bei Großprojekten enorme Vorteile bietet. Bei BIM werden umfangreiche Daten und Informationen rund um ein dreidimensionales virtuelles Modell digital erfasst, um sie für sämtliche Planungsprozesse nutzbar zu machen. Dadurch werden Fehler in der Planung minimiert, Mehrkosten bei Planänderungen transparent beziffert, Optimierungen in der Bauzeit erzielt und letztlich mehr Qualität in der Bauausführung erreicht.

Gastrednerin bei der Preisverleihung des BIM AWARD war Staatssekretärin Katrin Schütz vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Sie versprach in ihrer Rede, dass das Wirtschaftsministerium insbesondere kleine und mittlere Unternehmen im Land bei den anstehenden Digitalisierungsprozessen unterstützen wird: „Die Digitalisierung der Wirtschaft und ihrer Branchen ist ein wesentlicher Bestandteil der ressortübergreifenden Digitalisierungsstrategie „digital@bw“ der Landesregierung. Building Information Modeling hat dabei großes Potential für die Bauwirtschaft, da nicht nur Kostentransparenz und -effizienz gesteigert werden, sondern sich auch völlig neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen Planenden, Ausführenden und Betreibern von Bauwerken ergeben.“ Gleichzeitig kündigte Katrin Schütz einen ergebnisoffenen Dialog für das im Frühjahr 2017 geplante Spitzengespräch zwischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Vertretern der baden-württembergischen Architekten, Ingenieure sowie der Bauwirtschaft an.

Ideell unterstützt wird das BIM CLUSTER Stuttgart unter anderem von der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Deren Hauptgeschäftsführer Dieter Diener sieht die Digitalisierung seiner Branche als Chance, zugleich aber auch als Herausforderung. Im Gegensatz zu großen Bauunternehmen gäbe es in Sachen BIM insbesondere bei kleineren Betrieben oft noch erheblichen Nachholbedarf, sowohl in personeller als auch in technischer Hinsicht. Längst nicht bei allen Baufirmen sei es Standard, dass Mitarbeiter mit Smartphones oder Tablets ausgestattet sind, damit sie auf der Baustelle für ein BIM-Projekt bestimmte Daten erfassen oder vorhandene Informationen zum Bauwerk abrufen könnten. Etliche altgediente Baufachleute würden nach wie vor lieber mit zweidimensionalen Plänen arbeiten. Doch auch diese Betriebe müssten sich früher oder später mit BIM befassen, spätestens wenn es der Auftraggeber verlange. Dies werde nicht nur die öffentliche Hand sein, sondern über kurz oder lang auch der private Bauherr. Die Bauunternehmen müssten deshalb ihre Mitarbeiter rechtzeitig qualifizieren - vom verantwortlichen Bauleiter bis hin zum Polier. Das notwendige digitale Knowhow soll deshalb schnellstmöglich in die aktuellen Aus- und Weiterbildungsangebote der Baubranche einfließen. Erste Stellschrauben dafür seien bereits gestellt.

Dieter Diener forderte im Anschluss an die Preisverleihung in einer Gesprächsrunde mit Staatssekretärin Katrin Schütz aber auch Bund und Länder auf, beim Thema Digitalisierung mit gutem Beispiel voranzugehen: „Noch fehlen die angekündigten flächendeckenden Datennetze im Land. Außerdem muss die öffentliche Hand eigene BIM-Kompetenzen in ihren Verwaltungen aufbauen. Wir benötigen für BIM einheitliche Standards und Richtlinien, damit die Nutzung für Bauunternehmer einfacher und kostengünstiger wird. Es wäre fatal, wenn bundesweit verschiedene, nicht kompatible Standards entwickelt würden und diese nicht miteinander vernetzbar wären.“