21. März 2017

Wohnbaugenehmigungen erreichen Rekordzahl

Starkes Plus vor allem durch Wohnbauten für Flüchtlinge


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Stuttgart. Die Baugenehmigungen für den Wohnungsneubau sind in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr deutlich nach oben geschnellt. Von Januar bis Dezember 2016 wurden 44.222 Wohneinheiten zum Bau freigegeben, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 24,7 %. Dies ist der höchste Zuwachs seit 1991. Mit dieser Entwicklung liegt der Südwesten im Bundestrend. Dort kletterten die Wohnbaugenehmigungen um 21,6 % auf insgesamt 375.400 Wohneinheiten. Stark zugenommen haben in Baden-Württemberg vor allem die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser, und zwar um 24,9 %. Bei den 1- und 2-Familienhäusern gab es dagegen lediglich ein Plus um 2,3 %. Einen regelrechten Sprung nach oben machten die Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, zu denen Flüchtlingsunterkünfte zählen. Während es hier 2015 lediglich 2093 Wohnbaugenehmigungen gab, hat sich die Zahl 2016 mit fast 6.000 Wohneinheiten nahezu verdreifacht. Offenbar sind viele Kommunen bemüht, die Erstunterbringung von Flüchtlingen in Massenquartieren durch den verstärkten Bau von Wohnheimen zu entspannen.

Grund für das starke Plus bei den Baugenehmigungen sind neben dem Flüchtlingszustrom aber auch die nach wie vor niedrigen Zinsen. Weil kaum noch Alternativen auf dem Kapitalmarkt zu finden sind, haben im letzten Jahr sowohl institutionelle als auch private Anleger verstärkt in Immobilien investiert. Zum anderen kam es in Baden-Württemberg wegen der neuen Energieeinsparverordnung 2016 zu einem starken Vorzieheffekt. Viele ohnehin Bauwillige wollten wohl die verschärften Vorschriften der neuen EnEV umgehen und haben deshalb noch Ende 2015 ihre Bauanträge eingereicht, die im Laufe des Folgejahres bewilligt wurden und somit zu einem hohen Anstieg der Baugenehmigungen geführt haben.

Trotz der deutlich gestiegenen Wohnbaugenehmigungszahlen verweist die Landesvereinigung Bauwirtschaft darauf, dass der Bedarf an Wohnungen im Land bei Weitem nicht gedeckt ist. 60.000 Wohneinheiten müssten - auch mit Blick auf die Zuwanderung durch Flüchtlinge - eigentlich pro Jahr neu entstehen. Außerdem bedeuteten mehr Baugenehmigungen nicht automatisch, dass all diese Wohnungen letztlich tatsächlich gebaut würden. 2015 sind in Baden-Württemberg etwa 37.000 Wohneinheiten fertiggestellt worden.