05. Mai 2017

In Baden-Württemberg droht Entsorgungsnotstand für Erdaushub

Neue Mantelverordnung verschärft Deponieknappheit


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Stuttgart. In Baden-Württemberg droht ein Entsorgungsnotstand für Bau- und Abbruchabfälle, da immer mehr Lagerstätten wegen Überfüllung schließen, gleichzeitig aber keine neuen Deponien im Land ausgewiesen werden. Die Folge: Viele Bauunternehmen können ihren unbelasteten Erdaushub nicht ortsnah entsorgen und sind gezwungen, ihn teilweise bis nach Bayern oder Rheinland-Pfalz zu fahren. Dadurch ist ein regelrechter Transporttourismus entstanden. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich die Transportwege in Baden-Württemberg nahezu verdoppelt, mit entsprechenden Belastungen für Umwelt und Straßen. Außerdem sind die Deponiegebühren für Bau- und Abbruchabfälle sprunghaft nach oben geschnellt. Die Auswirkungen bekommen Bauherrn bereits jetzt zu spüren. Akute Entsorgungsnot herrscht derzeit vor allem im Großraum Stuttgart und den umliegenden Landkreisen, in der Region Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe sowie im südbadischen Raum rund um Freiburg.

Seit Jahren schon weist die Landesvereinigung Bauwirtschaft auf die zunehmende Deponieknappheit hin. Drastisch zuspitzen wird sich das Problem außerdem durch die geplante neue Mantelverordnung mit ihren verschärften Vorgaben für Recycling von mineralischen Bau- und Abbruchabfällen. Verbandsgeschäftsführer Dieter Diener sieht Baden-Württemberg deshalb inzwischen auf einen handfesten Entsorgungsnotstand zusteuern. Er fordert die Landkreise auf, vorausschauend und vor allem rasch zu handeln: „Man kann nicht einerseits eine Deponie nach der anderen schließen und sich andererseits weigern, neue Deponien zu genehmigen. Schließlich sind es die Kommunen, die infolge fehlender Wohnungen immer neue Baugebiete und Konversionsprojekte ausweisen. Dann müssen sie auch dafür sorgen, dass der anfallende Erdaushub ortsnah entsorgt werden kann.“ Viele Deponien weigerten sich zudem Bodenaushub anzunehmen, der nicht aus ihrem eigenen Landkreis stammt.

Im Schnitt dauert die Erschließung einer neuen Deponie bis zu zehn Jahre. Und hier liegt der Knackpunkt. Eine geplante neue Deponie zieht oftmals Proteste in der Bevölkerung nach sich, weil die betroffenen Anwohner stärkeren Lkw-Verkehr befürchten. Daher schieben sich die Gemeinden gern gegenseitig den schwarzen Peter zu. Dieter Diener hat dafür nur bedingt Verständnis: „Die Zeche zahlen neben den Entsorgungsfirmen letztlich auch die Häuslebauer im Land, weil der drastische Preisanstieg für die Entsorgung des Bodenaushubs die Baukosten immer weiter in die Höhe treibt.“

Derzeit fallen in Baden-Württemberg jährlich mehr als 25 Mio. Tonnen Erdaushubmassen an, die entweder verwertet oder deponiert werden. Bevor diese Baumassenabfälle einer Weiterverwertung zugeführt werden, müssen sie auf Umweltschadstoffe hin untersucht werden. Danach kann man sie entweder auf der gleichen Baustelle oder z.B. im Straßenbau wieder einbauen. Auch für die Verfüllung von Lärmschutzwänden werden sie genutzt. Die durchschnittliche Verwertungsquote von Bau- und Abbruchabfällen liegt im Land bei fast 95 %. Diese Quote wird nach den schärferen Vorschriften für Recyclingmaterial jedoch deutlich sinken, befürchtet Dieter Diener. Schätzungen zufolge führen die neuen Vorgaben dazu, dass sich das Entsorgungsvolumen für Bau- und Abbruchabfälle künftig in etwa verfünffachen wird. Hinzu kommt die steigende Wohnbautätigkeit in Baden-Württemberg, die den Entsorgungsengpass zusätzlich befördert. Landesweit gibt es nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums zurzeit 279 Deponien für Erdaushub. Allerdings sind die Deponiekapazitäten regional ungleich verteilt.