29. Mai 2017

Täuschend echt und absolut realitätsnah

Neue Simulatoren für Kran- und Baggerausbildung begeistern Azubis


contentmaker/standard/editor.tpl | standard

Geradstetten. „Zum Glück war es nur ein virtueller Kransimulator, bei dem die schwere Last am Kranausleger bedenklich ins Schwingen geraten ist. Auf einer echten Baustelle könnte es jetzt durchaus gefährlich werden“, meint Martin Kleemann, Leiter des Ausbildungszentrums Bau in Geradstetten. Und auch der Baulehrling, der den Bedienungshebel des Simulators steuert, ist sichtlich erleichtert: Alles nur digital, aber täuschend echt! Man hat das Gefühl, hoch oben in einer realen Krankabine zu sitzen. Und tatsächlich hat der Azubi in einem ergonomisch geformten Führersitz Platz genommen, während vor ihm ein riesiger Hochkant-Bildschirm den Blick runter auf eine virtuelle Baustelle zeigt. Gleichzeitig sieht der Auszubildende was passiert, wenn er die Steuerungshebel bedient: Eine Drehung nach links mit dem Kranausleger, eine nach rechts, Laufkatze vor und zurückbewegen, Kranhaken hoch- und runterfahren. Auch das gefährliche Pendeln von Kranlasten und das richtige Gegensteuern kann so risikofrei geübt werden. Martin Kleemann selbst ist völlig fasziniert, wie realitätsnah die Situation auf einer Baustelle dargestellt wird.

Seit dieser Woche können die Baulehrlinge den neuen Kransimulator im Rahmen ihrer Ausbildung nutzen. Und auch für die Bedienung von großen Baggergeräten gibt es neuerdings einen digitalen Simulator. Mit ihm lassen sich nicht nur Baugruben ausheben. Die Jugendlichen erleben auch, wie es sich anfühlt, wenn man mit dem Bagger beispielsweise eine schräge Böschung hochfährt, denn der Baggersitz simuliert dynamisch die entsprechende Bewegung. Selbst heikle Arbeitssituationen lassen sich hier testen, etwa wenn die Maschine am Hang in Schieflage gerät und droht umzukippen, oder wenn die Baggerschaufel versehentlich zu nah an die Fahrerkabine gesteuert wird. Für Zentrumsleiter Kleemann sind die beiden Baugerätesimulatoren nicht nur ein zeitgemäßes, sondern auch sehr praktisches neues Ausbildungselement: „Die Teilnehmer lernen damit auf virtuelle Art äußerst anschaulich, wie man in solch schwierigen Situationen richtig reagiert. Denn Arbeitssicherheit wird während der Ausbildung und natürlich auch später auf der Baustelle ganz groß geschrieben.“ Die Anschaffung der neuen Simulatoren wurde durch die Förderung aus einem Programm des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) ermöglicht. Eine Investition in die Zukunft, die sich laut Kleemann mit Sicherheit lohnt: “Moderne digitale Technik bereits während der Lehre macht die Bauausbildung natürlich noch attraktiver für Jugendliche. Aber auch unsere Bauunternehmen erwarten, dass wir möglichst auf dem neuesten Stand der Technik ausbilden. Schließlich setzen sie auf ihren Baustellen immer öfter große und sehr teure Baumaschinen ein. Dafür braucht man top ausgebildetes Fachpersonal. Und das genau leisten wir hier in unserem Zentrum.“

Derzeit besuchen rund 800 Baulehrlinge das Ausbildungszentrum in Geradstetten. 240 von ihnen erlernen den Beruf des Baugeräteführers, 325 werden als Straßenbauer ausgebildet. Selbstverständlich dürfen diese Lehrlinge, die später große Baumaschinen steuern müssen, ihr erlerntes Wissen mit den Simulatoren auch schon während der Ausbildung auf echten Baugeräten erproben. Dafür stehen im Ausbildungszentrum ein Kran, zwei Mobilbagger, ein Raupenbagger, sechs Radlader, ein Straßenfertiger und ein Minibagger zur Verfügung.