08. November 2017

Bauverband meldet wieder steigende Lehrlingszahlen

Fachkräftebedarf ist aber bei Weitem nicht gesichert


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Stuttgart. Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg meldet im aktuellen Ausbildungsjahr für ihre acht überbetrieblichen Ausbildungszentren wieder steigende Lehrlingszahlen. Insgesamt absolvieren in den verbandseigenen Zentren derzeit 2.819 Jugendliche eine Bauausbildung, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 4,8 %. Im ersten Ausbildungsjahr gab es bei den neuen Lehrverträgen sogar ein Plus von 9,7 %. Nach Jahren mit stagnierenden Ausbildungszahlen, scheint nun eine Wende am Ausbildungsmarkt eingeleitet meint Dieter Diener, Hauptgeschäftsführer des Verbandes: „Die anhaltend gute Baukonjunktur, die vielfältigen Aufgabenbereiche und nicht zuletzt die hohen Lehrlingsvergütungen überzeugen offenbar immer mehr Schulabgänger davon, dass es in unserer Branche hervorragende berufliche Zukunftsperspektiven gibt.“

Den höchsten Ausbildungsbedarf seitens der Mitgliedsunternehmen und damit die meisten Lehrverträge gibt es momentan in den Berufen Maurer (721), Zimmerer (661) und Straßenbauer (561). Von Jahr zu Jahr stärker gefragt ist außerdem die Ausbildung zum Baugeräteführer. Durch die fortschreitende Technisierung und den wachsenden Maschineneinsatz auf den Baustellen entwickelt sich dieser Beruf zum absoluten Ausbildungsmagneten. Im ersten Ausbildungsjahr meldet der Verband hier einen Lehrlingsanstieg um gut 30 %. Damit bildet der Südwesten mit insgesamt 281 Baugeräteführer-Azubis bundesweit die meisten Lehrlinge in dieser Berufssparte aus. Für die Ausbildung gibt es im ABZ Geradstetten ein extra Übungsgelände mit Mobilbagger, Raupenbagger, Radlader, Straßenfertiger, Kran und Minibagger sowie einer speziellen Reparaturwerkstatt. Bevor es auf die echten großen Baumaschinen geht, können die Lehrlinge außerdem mit Hilfe eines Bagger- und Kransimulators realitätsnah testen, wie sich so ein Baugerät steuern lässt.

Trotz der steigenden Ausbildungszahlen haben die Baubetriebe im Land aber noch immer Schwierigkeiten, alle angebotenen Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Angesicht des enormen Baubedarfs befürchtet Dieter Diener daher eine akute Facharbeiterlücke auf die Branche zurollen: „In den kommenden zehn Jahren wird gut ein Viertel unserer Beschäftigten altersbedingt in den Ruhestand gehen. Wir können aber nur etwa die Hälfte dieser frei werdenden Stellen mit entsprechenden Nachwuchskräften besetzen. Deshalb müssen wir unsere Ausbildungsanstrengungen weiter verstärken.“ Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage sehen schon heute 77 % aller befragten Bauunternehmen in dem momentanen Fachkräftemangel das größte Hemmnis in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung.