01. März 2018

„Schwarzer Peter“ Entsorgungsengpass

Bauwirtschaft Baden-Württemberg fordert eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Deponiemangel und lädt Politiker und Ministerium zu lösungsorientiertem Entsorgungs-Symposium ein


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Stuttgart. Der Entsorgungsengpass für unbelasteten Erdaushub droht, sich zum „Schwarze Peter“-Spiel zu entwickeln. Die Bauwirtschaft beklagt seit langem, dass in Baden-Württemberg Deponiekapazitäten für unbelasteten Erdaushub fehlen und somit die Baukosten weiter in die Höhe getrieben werden.

Umweltminister Franz Untersteller wirft der Bauwirtschaft nun vor, es sei „abenteuerlich, die hohen Preise der Politik anzulasten“. Landesweit seien ausreichend Deponien vorhanden. Gleichzeitig bestätigt der Minister selbst, dass in Nordbaden und Südbaden Lagerkapazitäten für unbelasteten Erdaushub fehlen. (Mannheimer Morgen, 23.2.18)

Laut Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, verfälscht die vom Umweltministerium praktizierte landesweite Betrachtung der vorhandenen Deponiekapazität die gravierenden regionalen Deponieengpässe: „Es würde auch niemand auf die Idee kommen, zum Beispiel zu behaupten, in Heidelberg gäbe es keinen Wohnungsmangel, da in Möckmühl oder im Elztal genügend Wohnraum zur Verfügung steht.“

Auch der Vorwurf des Ministers, die Bauunternehmen würden bewusst billigere Deponien fern der Ballungsräume anfahren, um Kosten zu sparen, ist laut Thomas Möller nicht nachvollziehbar: „Entgegen der Ausführungen von Herrn Untersteller gibt es gerade im Umkreis größerer Städte häufig gar keine Deponien zur Entsorgung unbelasteten Erdaushubs. Die Unternehmen sind deshalb gezwungen, weite Fahrtstrecken zu Deponien in Kauf zu nehmen. Für die Firmen ist dieser ‚Mülltourismus‘ sehr teuer, denn sie müssen dafür zusätzliche Transport- und Personalkosten berücksichtigen. Die erhöhten Entsorgungskosten lassen sich auf dem Markt aber nicht abbilden. Wer zu teuer anbietet, verliert im Bieterwettstreit und erhält keinen Auftrag.“

Die Bauwirtschaft Baden Württemberg begrüßt ausdrücklich die von Minister Untersteller erwähnten Aktivitäten zur landesweiten Ermittlung aktueller Entsorgungs-Bedarfszahlen. „Entscheidend für eine realistische Bedarfsermittlung ist dabei jedoch eine regionale Auffächerung vorhandener Deponiekapazitäten und des tatsächlichen Entsorgungsbedarfes.“, so Thomas Möller.  Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg möchte das Umweltministerium gern als Partner, nicht als Gegner im Umgang mit der Deponieknappheit betrachten und lädt Minister Untersteller sowie weitere politische Vertreter daher zu einem Symposium zur gemeinsamen Erörterung möglicher Lösungswege für die Deponie-Knappheit ein.