15. Februar 2019

Landesvereinigung pocht auf Wiedereinführung der Meisterpflicht

Eklatante Fehlentwicklungen vor allem im Fliesenlegerbereich


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Stuttgart. Die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg hofft auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht für wichtige Handwerksberufe, insbesondere im Ausbausektor. Heute finden auf Antrag des Freistaats Bayern die entsprechenden Beratungen im Bundesrat statt. Dringender Handlungsbedarf herrscht laut Bauwirtschaft vor allem im Bereich der Fliesenleger. Hier ist es seit dem Wegfall der Meisterpflicht im Jahr 2004 zu eklatanten Fehlentwicklungen gekommen, kritisiert Geschäftsführer Thomas Möller: „Die Wiedereinführung der Meisterpflicht für einzelne Gewerken ist längst überfällig. Seit der Novellierung der entsprechenden Handwerksverordnung hat sich die Zahl der Solo-Selbstständigen ohne Meisterbrief zum Beispiel bei den Fliesenlegern nahezu versechsfacht! Meist stecken dahinter aber illegal agierende Scheinselbst-ständige, die weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen und einen ruinösen Preiswettbewerb betreiben. Oft verfügen solche Ein-Mann-Firmen nicht über das fachlich notwendige Knowhow. Das rächt sich letztlich auch für die Verbraucher, wenn Monate später Folgeschäden auftreten, diese Firmen aber gar nicht mehr am Markt existieren“, warnt Möller.

Seit dem Wegfall der Meisterpflicht habe sich zudem die Ausbildungsleistung in den zulassungsfreien Berufen drastisch verringert, weil solche Firmen nicht ausbilden mit fatalen Folgen für die Fachkräftesicherung. „Um das System der dualen Ausbildung nicht nachhaltig zu beschädigen und den genannten Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, muss endlich die Wiedereinführung des Meisterbriefs für alle Bauberufe kommen“, fordert Thomas Möller. Auch das Estrichlegerhandwerk unterliegt keiner Meisterpflicht mehr.

Die Landesvereinigung Bauwirtschaft verweist in dem Zusammenhang auf Unternehmen mit dem Meisterhaft-Siegel. Dieses Gütesiegel zeichnet Betriebe aus, die über einen Meisterbrief verfügen und mit qualifizierten Mitarbeitern in höchster Qualität nach den neuesten technischen Standards arbeiten. Deutschlandweit beteiligen sich mehr als 1.700 Firmen an dieser Qualitätsoffensive, die vor über zehn Jahren vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes initiiert wurde. In Baden-Württemberg sind es rund 400 Mitgliedsunternehmen. „Das Qualitätssiegel und damit die Meisterpflicht schützen vor Pfusch am Bau und letztlich auch vor hohen Folgekosten, denn die Betriebe mit den Meisterhaft-Sternen verfügen über sehr viel Erfahrung und sind seit Langem erfolgreich am Markt tätig“, so Thomas Möller.