26. Juni 2019

Bauwirtschaft fordert natürlichen Erdaushub vor Ort zu belassen und eine höhere Recyclingquote bei Bauschutt

Politische Weichenstellungen sind unzureichend – wiederverwertbares Material sollte nicht unnötig auf Deponien entsorgt werden


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Stuttgart. Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg fordert natürlichen Erdaushub vor Ort zu belassen und eine deutlich höhere Recyclingquote bei Bauschutt. „Bisher fehlt es dafür an entsprechenden politischen Weichenstellungen. Die geltenden Vorschriften führen nicht zu einem sinnvoll funktionierenden Entsorgungssystem“, betont Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Wiederverwertung von Bodenaushub vor Ort muss oberste Priorität haben. Böden mit natürlicher Belastung sollten nach dem Prinzip „Gleiches zu Gleichem“ wieder eingebaut werden können. Derzeit landen sie auf Grund unverhältnismäßiger Grenzwerte häufig auf der Deponie. Für Recycling-Baustoffe gelten strengere Grenzwerte als für Trinkwasser. Potentiale für die Kreislaufwirtschaft werden dadurch unnötig verschenkt.

Außerdem sollten Bauherren stärker als Abfallerzeuger in die Pflicht genommen werden. Nach derzeitiger Rechtslage muss die Entsorgung von Erdaushub und Bauschutt nicht vorausschauend geplant werden. Das bedeutet in der täglichen Praxis, dass von Bauherren häufig nach einem schnell greifbaren Entsorgungsweg gesucht wird. Bei Erdaushub ist es in der Regel kurzfristig jedoch meist nicht möglich, eine geeignete Baumaßnahme (z. B. Lärmschutzwall) zu finden, bei der der Boden wieder eingebaut werden kann. Der so entstehende Zeitdruck ist für eine ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Entsorgung kontraproduktiv.

Zudem verweigern auch öffentliche Auftraggeber häufig immer noch den Einsatz von Recycling-Baustoffen auf Grund von unbegründeten Vorbehalten hinsichtlich der Baustoffgüte. Dabei ist durch das Qualitätssicherungssystem Recycling-Baustoffe Baden-Württemberg e.V. (QRB) sichergestellt, dass solche Baustoffe umweltverträglich und ohne Altlastenrisiko eingesetzt werden.

Wenn sich, wie oft, jedoch kein technisches Bauwerk findet, bei dem das Material wieder eingebaut werden kann, bleibt als einzig verbleibender Entsorgungsweg die Deponie. Dies ist die schlechteste aller Lösungen.
Thomas Möller: „Die derzeit geltenden Regeln müssen politisch so angepasst werden, dass die Belassung von natürlichem Erdaushub vor Ort und das Recycling von Bauschutt Methode haben und kein Zufall sind! Wir plädieren klar dafür, dass möglichst viel Boden entweder direkt auf der Baustelle wieder eingebaut oder für andere ortsnahe Baumaßnahmen verwertet bzw. recycelt wird. Das verkürzt die Transportwege, entlastet unsere Deponien, senkt die Kosten und dient der Umwelt. In diesem Punkt stimmen wir ausdrücklich mit Umweltminister Franz Untersteller überein."

Die Bauwirtschaft hat deshalb aktuell ein Positionspapier zum Thema Erdaushub erarbeitet, um die Problematik gegenüber der Politik zu verdeutlichen und alternative Verwertungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Der entsprechende Forderungskatalog wurde Umweltminister Untersteller vergangene Woche offiziell übermittelt. Die Bauwirtschaft hofft, dass nun endlich mehr Bewegung in die Sache kommt, denn das Problem ist seit Jahren bekannt. Die Bauwirtschaft steht mit guten und umweltfreundlichen Lösungsvorschlägen bereit.