03. Juli 2019

Bauverband schlägt Zusatzmaßnahmen zur LBO-Novellierung vor

Erdaushub vor Ort wieder einbauen – Geländeniveau anheben


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Stuttgart. Wie kann man günstiger bauen ohne Abstriche an der Qualität? Am heutigen Mittwoch wird es dazu im Landtag eine abschließende Anhörung zur Änderung der Landesbauordnung geben. Ziel ist es, das Bauen zu verbilligen. „Sicher ein guter Ansatz und gerade bei der LBO kann man an vielen Vorschriften und Stellschrauben drehen. Aber es gibt weitere effektive Möglichkeiten, um die Baukosten spürbar zu senken“, erklärt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Er hat vor allem die drastisch gestiegenen Entsorgungskosten für die Baumassenabfälle im Blick. Sein Vorschlag: „Belasst beim Bauen von Wohnhäusern den unbelasteten Bodenaushub einfach vor Ort, indem man zum Beispiel das gesamte Geländeniveau in Neubaugebieten etwas anhebt. Das spart Zeit, Transport- und Deponiekosten und ist die einfachste Lösung, das Bauen zu verbilligen!“

Die Bauwirtschaft weist darauf hin, dass sich die Entsorgung von Erdaushub in den letzten fünf Jahren extrem verteuert hat. Aufgrund des deutlich höheren Bauaufkommens und knapper Entsorgungsmöglichkeiten für Bodenaushub bzw. Bauschutt sind die entsprechenden Kosten enorm nach oben geschnellt. Je nach Region und Belastung des Bodens können für ein Einfamilienhaus zwischen 15.000,- und 70.000,- Euro anfallen. Thomas Möller plädiert deshalb dafür, die Kommunen stärker in die Pflicht zu nehmen und zu einem Umdenken zu bewegen. Die Bauleitplanung sei Aufgabe der Gemeinden. Diese sollten verpflichtet werden, bereits bei der Aufstellung von Bebauungsplänen das Erschließungs- und Geländeniveau so hoch anzusetzen, dass ein Erdmassenausgleich stattfinden kann. „Das bei den Baumaßnahmen anfallende Bodenmaterial kann dann auf dem Baugrundstück selbst oder zumindest im Baugebiet wieder eingebaut werden. Wenn Häuser höher gesetzt werden dürfen, benötigt man für das Untergeschoss auch eine geringere Aushubtiefe. Gleichzeitig kann der anfallende Erdaushub seitlich wieder angefüllt werden.“

Die Wiederverwertung von Bodenaushub vor Ort sollte nach Ansicht des Verbandes grundsätzlich oberste Priorität haben. Doch selbst wenn der Boden teilweise abtransportiert werden muss, gäbe es zahlreiche andere Maßnahmen, ihn ortsnah weiter zu verwerten. Neben der Geländemodellierung könnte man Böden mit natürlicher Vorbelastung regional verbringen und beispielsweise in Straßendämmen oder Lärmschutzwänden einbauen. „Leider werden diese Möglichkeiten viel zu wenig praktiziert“, kritisiert Thomas Möller. Hier müsste allerdings seitens des Auftraggebers, also entweder der öffentlichen Hand oder des privaten Bauherren, frühzeitig ein Abfallentsorgungskonzept erstellt werden. „Diese Aufgabe darf nicht einfach an die Bauunternehmen abgeschoben werden. Denn wenn unsere Firmen mit ihren Baggern anrücken, ist es in der Regel meist zu spät, um noch kurzfristig nach Wiedereinbaumöglichkeiten zu suchen.“

Die Bauwirtschaft hat zu dieser komplexen Problematik ein aktuelles Positionspapier mit alternativen Lösungskonzepten erarbeitet und dieses Umweltminister Franz Untersteller zukommen lassen. Auch an kommunale Träger wie den Gemeinde-, Städte- und Landkreistag soll die Informationsbroschüre in den kommenden Tagen versandt werden.

Das Positionspapier zur Entsorgung von Erdaushub Bauschutt ist online abrufbar unter:
http://bauwirtschaft-bw.de/2019/06/27/Entsorgung_von_Erdaushub_und_Bauschutt/11038,11