28. August 2019

Niklas Berroth und Julian Kiesl holen Bronze bei WorldSkills 2019

Christoph Rapp erringt 5. Platz


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Stuttgart. Für das Nationalteam Deutsches Baugewerbe gab es Grund zum Jubeln: Niklas Berroth aus Sulzbach-Laufen in Baden-Württemberg und Julian Kiesl aus Mallersdorf-Pfaffenberg in Bayern, die zusammen das Betonbauer-Team bildeten, holten bei der WorldSkills 2019 in der Disziplin „Concrete Working“ die Bronzemedaille. Am gestrigen Abend wurde die 45. Weltmeisterschaft der Berufe im russischen Kazan in Anwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung beendet.

Niklas Berroth (21) und Julian Kiesl (20) hatten sich zwar mehr erhofft, zeigten sich aber dennoch zufrieden mit ihrem Erfolg, denn sie sind Betonbauer aus Leidenschaft. Für Berroth ist Sichtbeton der Baustoff schlechthin. „Er sieht klasse aus und es ist nach wie vor eine Herausforderung, schönen Beton zu bauen.“ Beide Betonbauer waren Landessieger und deutsche Meister, Berroth schon 2017, Kiesl 2018.

Die Aufgabe der Beton- und Stahlbetonbauer war in jeder Hinsicht eine Herausforderung und forderte den Teilnehmern bis zur körperlichen Erschöpfung alles ab. Denn rund 9,5 t Schalmaterial mussten in den 22 Stunden Wettbewerbszeit verarbeitet werden. Dabei hatten die Betonbauer einen kompletten Grundriss zu schalen. Eine der Wände hatte einen viereckigen Erkervorsprung mit einer Aussparung, die einen russischen Bogen enthielt. Diese Wand wurde komplett betoniert. Eine zweite Wand hatte eine schräge Ecke sowie einen schrägen, breiter werdenden Vorsprung. An den anderen zwei Seiten wurde ein längerer bzw. kürzerer Unterzug geschalt. Als Zusatzaufgabe war ein Bewehrungskorb, der auch in die Bewertung eingeflossen ist, zu erstellen. Dieser musste am Schluss auf der Decke oben liegen. Zusätzlich wurde für das Projekt auch eine komplette Decke geschalt, so dass das gesamte Bauwerk aus einem Guss hätte betoniert werden können.

Maurer- und Betonbauermeister Josef Leberle, Ausbildungsmeister im Ausbildungs- und Fortbildungszentrum der Bauinnung Nordschwaben in Nördlingen, hatte die beiden Betonbauer trainiert. Er war als deutscher Experte und Mitglied der internationalen Jury in Kasan vor Ort dabei.

Maurer Christoph Rapp aus Schemmerhofen erhält Medaillon for Excellence

Ein ausgezeichnetes Ergebnis erreichte gleichfalls der 22-jährige Maurer Christoph Rapp aus Schemmerhofen. Im Skill „Bricklaying“ erkämpfte er sich einen hervorragenden 5. Platz in dem 31-köpfigen internationalen Teilnehmerfeld. Für seine Leistung erhielt der junge Nachwuchs-Maurer eine Medaillon for Excellence.

Rapp freute sich über seinen Erfolg. Bereits vor dem Wettbewerb hatte er erklärt: „Für mich war es eine große Ehre, bei WorldSkills anzutreten.“ 2016 hatte Christoph Rapp seine Gesellenprüfung abgelegt und war zunächst Kammersieger, dann Landessieger und am Ende deutscher Meister der Maurer geworden. 2018 holte er Gold bei der EuroSkills in Budapest und wurde Europameister.

Rapps Aufgabe bestand aus insgesamt fünf einzelstehenden Modulen, die zusammen das Wort „Russia“ ergaben. Bei dem Buchstaben „A“ bestand die Schwierigkeit in den Maßen der Abtreppungen, die ganz leicht zu einer gewissen Instabilität des Moduls führen könnten. Beim Buchstaben „U“ waren das Siegel (Hammer und Kelle) innen sowie die Steher schwierig zu mauern. Beim „I“ musste die Rundung entsprechend geschnitten und mit der Putzfläche sowie der aufgesetzten Krone exakt ausgeführt werden.  Das „R“ bestand aus einzelnen frei stehenden „Säulen“, die nur durch ein Mittelteil verbunden waren.  Beim letzten Buchstaben, dem doppelten „S“, waren die gelben Steine akkurat zu schneiden und zu vermauern. Der Zeitdruck, die vielen komplizierten Schnitte sowie die Maßgenauigkeit stellten die Teilnehmer darüber hinaus vor Herausforderungen, die es zu meistern galt.

Alle sechs Mitglieder des Nationalteams Deutsches Baugewerbe haben sich in Kazan hervorragend geschlagen. Mit zwei Gold- und einer Bronzemedaille war die Mannschaft überaus erfolgreich.

Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, ist beeindruckt von der Leistung der Junghandwerker: „Die Nachwuchstalente haben in Kazan großartig gekämpft und alles gegeben. Sie sind ein hervorragendes Aushängeschild für die Baubranche und zeigen, was man mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und engagiertem Einsatz in einem Bauberuf erreichen kann. Herzlichen Glückwunsch zu den ausgezeichneten Ergebnissen!“

WorldSkills 2019

1.354 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus über 63 Nationen und Regionen haben vom 22. bis 27. August 2019 in Kasan bei der WM der Berufe in 56 verschiedenen Wettbewerbskategorien um Medaillen gekämpft. Präzision und Genauigkeit sowie Nervenstärke und Konzentration entschieden über Gold, Silber und Bronze. Rund 250.000 Besucher und Besucherinnen haben an den vier Wettbewerbstagen den jungen Wettkämpfern über die Schulter geschaut. 39 deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten in 34 Berufen. Dazu gehören auch die sechs Mitglieder aus dem Nationalteam des Deutschen Baugewerbes.