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Pressemeldungen

2. Mannheimer Bauforum

„Miteinander statt gegeneinander im Bauprozess“ | Experten bewerten Bauen 4.0 – Building Information Modeling

Mannheim. „Digitalisierung ist ein zentrales Thema unserer Zeit. Sie durchdringt nahezu alle Wirtschafts- und Lebensbereiche – auch die Baubranche“, begrüßte Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, vor wenigen Wochen die über 100  Teilnehmer des 2. Mannheimer Bauforums in der Universität Mannheim. Der Bauverband hatte gemeinsam mit  Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg, zu einem Austausch der regionalen Baupartner über das Thema „Bauen 4.0. Building Information Modeling“ geladen. „Dem Verband Bauwirtschaft Baden-Württemberg ist es ein Anliegen, alle am Bau Beteiligten näher zusammenzubringen. Mit dem Ziel, Schnittstellen zu verbessern und dadurch Bauabläufe zu optimieren“, so Markus Böll.

Auch Bernd Müller, Leiter des Amtes Vermögen und Bau Mannheim und Heidelberg, betonte die Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen allen Projektpartnern. „Oft bleibt auf der Baustelle und in den Projektbesprechungen zu wenig Zeit, Dinge in Ruhe zu besprechen, geschweige denn ein Thema schwerpunktmäßig zu erörtern. Auch deshalb müssen wir nach neuen Instrumenten im Bauprozess Ausschau halten.“ 

Digitale Tools, wie BIM, das die Daten der Bauplanung in ein virtuelles Modell von Gebäuden umwandelt, können laut Markus Böll und Bernd Müller weitreichende Optimierungen für Planungsprozesse, Ressourceneffizienz, Abstimmungen und Kostenkontrolle mit sich bringen. „Diese Chance sollten wir aktiv nutzen!“, so die Veranstalter des Bauforums. Gleichzeitig warnen beide davor, BIM als zukünftiges Allheilmittel beim Planen, Ausführen und Betreiben zu bewerten.

Ministerialdirigent Kai Fischer, Leiter der staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung, sieht in BIM ebenfalls kein Wundermittel.  Dennoch ist er überzeugt: „BIM wird, wie CAD, irgendwann ‚state of the art‘ sein. Denn am besten fängt man an zu bauen, wenn man fertig geplant hat.“ 

Seine Zielsetzung bei zukünftigen Bauprojekten ist dabei auch, erst dann eine Summe für voraussichtliche Baukosten zu nennen, wenn bis Leistungsphase 6 durchgeplant ist – und dies möglichst in BIM. 

Professor Jörg Aldinger von der Aldinger Architekten Planungsgesellschaft mbH Stuttgart betonte in seinem Vortrag ebenso: „BIM ist ein Werkzeug. Unsere Vorstellungskraft ist dennoch unersetzlich.“ Professor Aldinger teilt nicht das Vorurteil, dass BIM Gestaltungsqualität zusehends abschafft. Für ihn ist jedoch die Angemessenheitsfrage von zentraler Bedeutung: „Man sollte sich nicht in Formalisierungen und Vorschriften verlieren sondern bei jeder Bauaufgabe erneut überlegen, wo BIM effektiv eingesetzt werden kann.“

Auch Dr. Florian Binder von der Ed. Züblin AG Karlsruhe bewertet die extrem hohen Erwartungen an BIM als teilweise überzogen, betonte aber: „BIM hilft“. Für Dr. Binder ist vor allem das Thema Prozessstabilität ein entscheidender, durch BIM erzielter, Vorteil: „Das Werkzeug BIM allein macht nichts billiger und nichts schneller. Aber wir können dann am besten zusammenarbeiten, wenn wir stabile Prozesse gewährleisten.“ In der Planung hilft BIM seiner Erfahrung nach, einen Wissensabgleich aller Beteiligten zu erreichen. In der Ausführung bietet BIM eine Unterstützung bei Arbeitsvorbereitung und Logistik. Außerdem stellt es die Transparenz bei Projektfortschritt und Qualität sicher. Im Betrieb liegt der Vorteil von BIM in der zentralen Zugriffsmöglichkeit auf hinterlegte und verknüpfte Informationen. Die visuelle Navigationsmöglichkeit im Gebäude wird darüber hinaus schon im Planungsstadium genutzt. 

Im Anschluss an die Vorträge fand eine  öffentliche Diskussionsrunde mit den Referenten statt, bei der die Zuhörer Fragen zum Thema stellen konnten. Moderator des 2. Mannheimer Bauforums war Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

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