Frühjahrsumfrage: Bauwirtschaft im Land weiter im Konjunkturtief

Auch in den kommenden Monaten keine Besserung in Sicht

Stuttgart. Die Baubranche im Land steckt auch im Frühjahr 2026 weiter in einer schwierigen Lage. Ein durchgreifender Aufwärtstrend bleibt aus. Nach einer aktuellen Umfrage der Bauwirtschaft Baden-Württemberg unter ihren Mitgliedsbetrieben bewerten 50,2 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als schlecht. 54 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten keine wesentliche Veränderung, 39,5 Prozent rechnen sogar mit einer Verschlechterung. Knapp zwei Drittel der Betriebe klagen über Auftragsmangel.

„Die Krise hat die Bauwirtschaft weiterhin fest im Griff. Zwar hatten zuletzt gestiegene Baugenehmigungszahlen im Wohnungsbau Hoffnungen geweckt. Doch der Iran-Krieg droht Bauherren und Bauunternehmen durch höhere Energie- und Materialkosten einen Strich durch die Rechnung zu machen“, erklärt Hauptgeschäftsführer Thomas Möller. Laut Umfrage erwarten 80,6 Prozent der Unternehmen in den nächsten Monaten deutlich steigende Einkaufspreise. Das dürfte die Baupreise weiter in die Höhe treiben und den Druck auf die Betriebe erhöhen.

Enttäuscht zeigen sich viele Unternehmen von den Maßnahmen der Bundesregierung. 50 Prozent der Betriebe spüren bislang keine Effekte des sogenannten „Bau-Turbo“, 31,1 Prozent nur geringe Auswirkungen. Auch das Sondervermögen des Bundes hat nach Einschätzung von 85,5 Prozent der Unternehmen bisher nicht zu mehr öffentlichen Aufträgen geführt.

„Es ist paradox: Der Bedarf an Wohnraum und leistungsfähiger Infrastruktur ist enorm, doch das Bauen kommt nicht in Gang. Im Hochbau bremsen vor allem überzogene Standards und Bürokratie. Die Politik muss jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit wieder mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Nötig sind mehr Spielräume für einfacheres Bauen, beschleunigte Genehmigungsverfahren, eine stärkere soziale Wohnraumförderung und niedrigere Grunderwerbsteuern“, fordert Möller. Der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung gehe in vielen Punkten in die richtige Richtung. Jetzt müssten die Vereinbarungen auch zügig umgesetzt werden.

Auch im Infrastrukturbereich sieht Möller Handlungsbedarf: „Bund, Land und Kommunen müssen ihre Bauinvestitionen bedarfsgerecht erhöhen. Mittel aus dem Sondervermögen dürfen ausschließlich in zusätzliche Baumaßnahmen fließen. Zugleich braucht es eine langfristig gesicherte Finanzierung des Verkehrswegebaus, schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie mehr Verwaltungskapazitäten. Nur so lassen sich die zahlreichen maroden Straßen und Brücken instand setzen und die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes sichern.“

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